Realität und Wahrnehmung

Ist Dir schon mal aufgefallen, daß alle Beteiligten desselben Ereignisses, selbst wenn Sie direkt neben einander standen und eigentlich dasselbe erlebt haben, trotzdem eine ganz eigene Wahrnehmung dessen haben, was sie dort erlebt haben?
Gibt es so etwas wie „DIE Realität“ – die eine Wahrheit? Etwas, das alle Menschen gleich bzw. übereinstimmend wahrnehmen in einer bestimmten Situation?
Ich denke schon – aber wer will diese eine Realität beschreiben, sie kennen?

Die Schwierigkeit unserer Wahrnehmung der Realität ist, daß wir keine andere Möglichkeit haben, als sie mit unseren Sinnen (den körperlichen und den energetischen) zu erfahren und diese sind von Natur aus bei den meisten Menschen so eingerichtet, daß sie zwar alles aufnehmen, aber nicht alle Informationen in unser Bewußtsein vordringen lassen. Es gibt eine Art Filter, der meist ohne unser Wissen und unseren bewußten Zugriff sortiert, welche der wahrgenommenen Informationen uns bewußt zur Verfügung stehen und welche zwar gespeichert werden, aber nicht bewußt abgerufen werden können.
Wie wird dieser Filter programmiert? 

Die Forschung geht davon aus, daß er sich wahrscheinlich ständig neu justiert anhand der bisher gemachten Erlebnisse und darauf ausgerichtet ist, die für uns persönlich wichtigsten Informationen bewußt werden zu lassen. Die Justierung hat viel damit zu tun, welche guten und schlechten (und damit für uns wichtigen) Erlebnisse wir bereits in unserem Leben hatten und worauf wir momentan fokussiert sind, bzw. welche Themen uns aktuell am meisten interessieren.
Dadurch kommt es häufig vor, daß die Informationen die in unser Bewußtsein vordringen bisher schon angelegte Informationen verstärken nach dem Muster „ah, so was Ähnliches habe ich schon einmal erlebt, diese neue Information paßt gut in dieses Schema“.
Dadurch verstärken wir ohne es zu merken bisher angelegte Denk- und Emotionsmuster ständig durch neue Informationen die auch in ein bereits angelegtes Muster passen. Dabei wird keine automatische Überprüfung vorgenommen, ob die neue Information tatsächlich ein Beweis dafür ist, daß das früher angelegte Muster stimmt, oder ob sie auch eine ganz andere Aussage machen könnte.

Wenn wir diesen automatischen Zuordnungsprozess unterbrechen wollen, müssen wir bewußt und aktiv eingreifen und damit beginnen, Erlebnisse und unsere Wahrnehmung dazu bewußt zu hinterfragen und zu erkennen, in welcher Schublade sie normalerweise automatisch abgelegt würde und ob diese wirklich die richtige und, das ist noch wichtiger, die für unser Wohlbefinden zuträglichste ist.
In diesem Prozess kommt es häufig zu einer Art innerem Streit zwischen dem Willen, sich bewußt mit seiner Wahrnehmung und den Wahrnehmungsmustern zu befassen und einer Stimme die immer wieder sagt „aber ich HABE es doch genauso wahrgenommen – wie kann es dann nicht so sein?“

Wichtig ist es in diesem Neubewertungsprozess, nicht zwanghaft alles positiv zu bewerten, sondern immer wieder zu hinterfragen, ob die Dinge auch anders sein könnten und sich damit eine Möglichkeit zu schaffen, die eigene Realität offener und weniger von alten Mustern konditioniert betrachten zu können.

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