Kämpfen oder Loslassen?

Bist Du eine Kämpfernatur? Gehörst Du zu den Menschen, die sich Ziele setzen und diese verfolgen bis sie erreicht sind, egal wie schwierig oder langwierig das ist oder wie viel Gegenwind Dir entgegen kommt?
Oder gehörst Du zu den Menschen, die der Meinung sind, daß es sich nur lohnt die Ziele weiter zu verfolgen, wo auch Energie dahinter ist (sprich: wo sich alles mit Leichtigkeit ergibt) und die sich leicht tun die anderen Ziele auch wieder aufzugeben?

Meine Beobachtung zeigt, daß die meisten Menschen eher zum einen oder anderen tendieren, das heißt daß sie eher dazu neigen Dinge durchzukämpfen oder eben den Weg der Leichtigkeit zu gehen und alles andere hinter sich zu lassen.
Aber ist die eigene Strategie immer die Richtige? Und woher weiß man, ob es sich im konkreten Fall auszahlen würde weiter zu kämpfen, oder ob das so ein Fall ist, wo man das Loslassen üben sollte?

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Beide Vorgehensweisen haben eher positive wie eher negative Färbungen – vor allem wenn jemand ausschließlich nur den einen Weg wählt und den bis zum bitteren Ende zu gehen bereit ist:

> der Kämpfer kann sich nach Erreichen seines Zieles darüber freuen, sich gegen alle Widrigkeiten durchgesetzt zu haben, selbstbestimmt seinen Weg zu gehen und sich nicht von negativen Einflüssen davon abbringen zu lassen.
Aber er muß sich auch fragen ob es Sinn macht, so lange gegen eine Wand anzurennen, bis der Kopf Matsch ist, oder ob es nicht sinnvoller wäre, nach einer Leiter zu suchen, eine Türe in der Wand zu finden oder zu schaffen oder überhaupt mal zu schauen, was außer der Wand vor dem gesetzten Ziel gerade noch IST und vielleicht gelebt werden will.
> der Loslasser freut sich darüber, mit geringem Energieaufwand und fast spielerisch vorwärts zu kommen im Leben, mit dem Fluß zu schwimmen und durch seine Offenheit für Neues viel Abwechslung zu erleben.
Aber er wird sich auch damit auseinandersetzen müssen, ob er nicht zu schnell aufgibt wenn es schwierig wird, ob die Ziele es nicht verdient hätten, daß er sich mehr für sie einsetzt und ob er seinen Lebensweg nicht zu sehr von außen beeinflussen läßt.

Das Schwierigste an der ganzen Sache ist es zu erkennen, ob es sich lohnt weiter zu kämpfen weil es eine tatsächliche Chance gibt das gewählte Ziel zu erreichen und weil es sich für dieses Ziel auch lohnt mehr Kräfte als sonst einzusetzen.
Oder zu erkennen, ob man im konkreten Fall nicht schon zu lange gekämpft hat ohne wirklich Boden zu gewinnen und ob es nicht an der Zeit wäre das Ziel loszulassen weil sein Erreichen den dafür notwendigen Krafteinsatz gar nicht rechtfertigt.

Um diese Entscheidung treffen zu können hilft es manchmal sich zu fragen, was man verlieren würde, wenn man den Kampf an dieser Stelle beendet: verliert man die Achtung vor sich selbst? Hat man Angst davor, daß die anderen einen für einen Versager und für schwach halten? Oder würde man tatsächlich einen Teil von sich selbst aufgeben weil das Ziel ein elementarer Bestandteil des eigenen Lebens ist?

Im anderen Falle könnte man sich z.B. fragen, was es einen kosten würde, diesmal die Kraft und Energie für die Verwirklichung eines Ziels einzusetzen: würde ich dafür meine Komfortzone verlassen müssen? Müsste ich mich gegen Menschen stellen, die mir wichtig sind und habe ich vielleicht Angst vor deren Reaktion darauf? Befürchte ich, daß ich vielleicht doch nicht die Kraft haben werde um durchzuhalten und dann als schwach da zu stehen? Oder habe ich einfach nicht gelernt wie kämpfen funktioniert und fürchte ich mich vor dieser Seite in mir und zu was sie mich machen könnte?

Oft hilft es bei der Entscheidungsfindung fürs Kämpfen oder Loslassen auch, wenn man sich beide Situationen so konkret wie möglich vorstellt und dabei auf Körpersignale und das eigene Bauchgefühl achtet: wie fühlt sich die Vorstellung an, alle Kräfte für das Erreichen des Ziels einzusetzen? Ist es eine ungewohnte Herausforderung, die aber auch ein Gefühl herauskitzelt das wissen will, ob man das nicht doch auch kann? Oder fühlt es sich eher wie eine endlose Schlacht mit vielen Verlusten an?
Wie fühlt es sich an, an dieser Stelle loszulassen? Gibt es da das Gefühl von Erleichterung und Befreiung, endlich die Waffen niederlegen zu können? Oder fühlt es sich eher so an, als würde man einen wichtigen Teil seines Lebens zu früh aufgeben und sich vielleicht sogar feige davon stehlen?

Wichtig ist es, sich diese Fragen immer wieder zu stellen und immer von neuem auf sein Gefühl zu achten, denn die Antworten können sich im Lauf der Zeit zu ein und demselben Thema verändern: z.B. kann man plötzlich das Gefühl bekommen, alle seine Kräfte eingesetzt zu haben und ein weiteres Kämpfen würde nur noch Schaden hervorrufen. Oder man spürt plötzlich eine bisher unbekannte Kraft und Zielstrebigkeit und möchte jetzt doch herausfinden, ob sich der Einsatz der eigenen Kraft für dieses Ziel nicht doch lohnen würde.

Welche Erfahrungen hast Du mit solchen Situationen gemacht? Was hat bei Ihnen gut funktioniert – und was gar nicht?

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